ROTE PUNKT
AKTION
Ergebnis:
Kommunalisierung
der ÜSTRA

Die Üstra beantragt beim Regierungspräsidenten die Anhebung der Beförderungstarife (mit Ausnahme der Tarife für Schüler, Studenten und Lehrlinge). Aufgrund der Lohn- und Gehaltserhöhungen und sonstigen Belastungen durch Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer und Wegebenutzungsabgabe benötigt die Üstra jährlich Mehreinnahmen in Höhe von 4,3 Millionen D-Mark.

Die Üstra stellt einen weiteren Antrag an den Regierungspräsidenten zur Erhöhung der Fahrpreise für Kinder, Schüler, Studenten und Lehrlinge.

Der Regierungspräsident genehmigt die beantragte Tarifanhebung, aber ohne die sogenannten Schülertarife.

Amtliche Bekanntgabe der neuen Beförderungstarife in den örtlichen Tageszeitungen.

Auf einer Pressekonferenz erklärt die Üstra den neuen Tarif.

Der neue Tarif tritt in Kraft. Der Preis für die am meisten genutzte Sammelkarte erhöht sich pro Fahrt von 50 auf 66,67 Pfennige (+33 Prozent).

Verschiedene Organisationen wie der Club Voltaire e.V. verteilen Flugblätter in denen sie zu Protestversammlungen gegen die Fahrpreiserhöhungen aufrufen und den Boykott der Üstra sowie deren Überführung in Gemeineigentum fordern.

Am verkaufsoffenen Sonnabend versammeln sich um 13 Uhr 300 Menschen zu einer angemeldeten Demonstration vor dem Rathaus. Der Straßenbahnverkehr wird behindert, kann aber aufrechterhalten werden, indem man die Fahrzeuge umleitet.

Etwa 1000 Menschen versammeln sich um 17 Uhr zu einer angemeldeten Demonstration auf dem Opernplatz und blockieren die Gleise an den wichtigsten Punkten in der Innenstadt. Der Straßenbahnverkehr muss bis in die Abendstunden eingestellt werden, die Roter Punkt-Aktion beginnt.

Rund 2000 Menschen sammeln sich zu einer nicht angemeldeten Demonstration vor dem Opernhaus und auf den Gleisen. Der Verkehr muss eingestellt werden. Auch der Einsatz von fünf Hundertschaften der Polizei schafft es nicht, die Gleise frei zu räumen. Die Demonstranten beschädigen Fahrzeuge und Entwerter und koppen Straßenbahnwagen ab. Gegen Mitternacht können die Bahnen wieder fahren.

Rund 5000 Demonstranten sind auf den Beinen. Sie blockieren die Gleise an zentralen Plätzen in der Innenstadt, so dass der komplette Verkehr eingestellt werden muss. Busse werden angehalten und teilweise beschädigt. Auch das Verwaltungsgebäude der Üstra am Hohen Ufer wird angegriffen.

Die Demonstrationen gehen weiter. Die Üstra kann den Verkehr nicht – wie ursprünglich beabsichtigt – wieder aufnehmen. Die Stadtverwaltung appelliert: Demonstrationen ja! Gewalt nein!

Dei Demonstrationen gehen weiter, der Verkehr bleibt eingestellt. Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) fordert eine kommunale Verkehrsgesellschaft, die Preussenelektra Aktiengesellschaft, seit 1972 Eigentümerin der Üstra, bestätigt ihre Verkaufsbereitschaft. Die Stadt ruft zur Unterstützung der Roter-Punkt-Aktion auf.

Der Verkehr der Üstra ruht weiter. In einer Sondersitzung des Rates der Landeshauptstadt regt der Oberstadtdirektor Neuffer die radikale Vereinfachung des Tarifgefüges und einen Einheitstarif von 50 Pfennig für Einzelfahrscheine und 40 Pfennig für Sammelfahrscheine an.

Die Demonstrationen gehen weiter. Die Üstra versucht, den Verkehr wieder aufzunehmen, scheitert aber: Die Busse der Außenlinien werden durch Pkw-Kolonnen am Weiterfahren gehindert. Wichen durch Schnellbinderbetont blockiert. Der Regierungspräsident genehmigt eine Monatskarte für Senioren über 65 Jahre. Eine Tarifkommission tritt zusammn, um das Tarifgefügte zu überprüfen und einen Tarifvorschlag auszuarbeiten. Empfohlen wird ein Einheitstarif von 50 Pfennig im gesamten Netz der Üstra.

Der Verkehr der Üstra ruht weiter. In einer Sondersitzung des Rates der Landeshauptstadt werden die Vorschläge der Tarifkommission von allen Ratsparteien gebilligt. Extrablätter der Zeitungen geben die neuen Tarife bekannt.

Der Verkehr ruht weiter. Die Üstra bereitet sich aber auf die Wiederaufnahme vor: Fahrzeuge werden auf die Betriebshöfe überführt und auf den Dienst vorbereitet. Gleise und Weichen werden gereinigt. Die Üstra erklärt in einer Pressekonferenz die neuen Tarife und beantragt bei der Landeshauptstadt einen Zuschuss zu den Fahrpreisen.

Die Üstra kündigt die Wiederaufnehme des Verkehrs an und dankt in eine rinternen Bekanntmachung allen Mitarbeitern. Haltestellen, Fahrzeuge und Strecken werden gereinigt und für den Betrieb vorbereitet.

Busse und Bahnen fahren auf allen Strecken ohne Behinderungen.

Vertreter der Verkehrsträger, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Fraktionen des Stadtrates besprochen die Neuordnung des öffentlichen Verkehrs und bilden eine Nahverkehrskommission.

Die Stadt erklärt sich bereit, einen Zuschuss zum Ausfall der Erlöse zwischen dem 2. Juni und 31. Dezember zu leisten.

Die Nahverkehrskommission trifft sich zur ersten Sitzung beim Verband Großraum Hannover.

Start der Gespräche zwischen der Stadt Hannover, Großraum Hannover Preussenelektra und Üstra zum Verkauf.